Denkanfallkuppel

Philosophie, Politik und Weltgeschehen. Wenn mich jemand sucht: Ich bin in meiner Denkanfallkuppel!

Als Arzt im Ebola-Gebiet

by sebastianleist

Ebola tötet weiterhin.

Blog des German Doctors e.V.

Ein Bericht von Dr. Teresa De La Torre und Dr. Dorian Jungmann über ihren Einsatz als Langzeitärzte in Serabu/Sierra Leone

In den letzten 3 Wochen haben wir in Serabu zum Glück keine Ebola-Fälle mehr in den benachbarten Dörfern gehabt. Immer wieder sind wir jedoch mit Verdachtsfällen konfrontiert, welche uns oft technisch, logistisch und auch ethisch bis an die Grenzen fordern. Leider fehlt es noch immer gerade in Situationen, in denen schnelle Unterstützung und Handeln notwendig ist, an Hilfe durch öffentliche Stellen. Positive ist zu berichten, dass internationale Hilfe vor Ort ist und diese Krise viele Menschen aus der ganzen Welt zusammengebracht hat, die alle ein Ziel haben, nämlich Ebola effektiv zu bekämpfen. Hier in Bo und Serabu sind nun z.B. auch das amerikanische CDC, das britische Militär und die Welthungerhilfe  aktiv, die uns alle nach ihren Möglichkeiten unterstützen.

Ebola in Sierra Leone Ebola-Bekämpfung in Sierra Leone

Ein Fall der veranschaulicht, mit welcher Problematik…

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Das Problem heißt Extremismus

by sebastianleist

Nachträgliche Anmerkung: Wenn in diesem Text von „Extremismus“ die Rede ist, dann ist damit nicht die Einteilung in „Links“ oder „Rechts“ gemeint, wobei die beiden Seiten des „Hufeisens“ die Extreme bilden, sondern eine fanatische Ideologie, die keine anderen Ansichten zu tolerieren bereit ist als die eigene und somit in ihrem Kern nicht demokratisch ist. Radikale politische Einstellungen, beispielsweise der Linksradikalismus sind also in meiner Definition keine extremistischen Positionen, insofern sie nicht mit extremen Methoden wie Mord und Körperverletzung ihre Ziele zu erreichen versuchen, sondern Teil des demokratischen Spektrums. Ebenfalls erwähnt werden sollte der „Extremismus der Mitte“, welcher wie ein Rechts- oder Linksextremismus antidemokratische Züge trägt.

Viele werden heute die traurige Nachricht von dem blutigen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ gelesen oder gehört haben, bei dem 12 Mitarbeiter des Blattes brutal ermordet wurden. Zu aller Erst möchte ich den Hinterbliebenen und Freunden dieser Menschen mein Mitgefühl und meine Solidarität aussprechen. Dieser feige Angriff ist schärfstens zu verurteilen und muss selbstverständlich möglichst lückenlos aufgeklärt werden und die Täter ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Nicht nur ist es eine menschliche Tragödie, wenn 12 Menschen plötzlich gewaltsam aus dem Leben gerissen werden, es ist auch ein Schock für die freie Presse und ein Schlag gegen die Demokratie und die freie Gesellschaft.
Gerade in Zeiten, in denen in Frankreich der Front National, in Deutschland AFD und Pegida die Symptome eines Rechtsrucks der europäischen Gesellschaften darstellen, ist ein solcher Angriff besonders schädlich für das Klima innerhalb dieser Gesellschaften. Denn so wird nur der Hass auf den Islam befeuert, den viele bereits jetzt in ihren Herzen tragen. Und auch Angst wird geschürt. Es kann daher auch die Vermutung aufgestellt werden, dass der Zeitpunkt des Anschlags keinesfalls zufällig gewählt wurde. Denn es geht islamistischen Extremisten weder um die Verbreitung ihrer Religion, noch ist der Islamismus mit dem Islam gleichzusetzen. Viel mehr geht es um einen direkten Angriff auf westliche demokratische Grundwerte. Terrorismus hat immer nur einen Zweck: Angst und Schrecken zu verbreiten. Dies mit dem Ziel, die demokratische Gesellschaft zu destabilisieren und ihre Werte von Freiheit und Toleranz zu sabotieren. Dieses Motiv teilen sowohl islamistische Terroristen wie auch rechtsextreme Claqueure wie die Initiatoren von Pegida, die sich nun über unerwartete Schützenhilfe aus dem Lager des eigentlich erklärten Feindes freuen können.

Dieses abscheuliche Verbrechen wird nun in zynischster Weise instrumentalisiert werden und zu vermehrtem Hass auf unsere muslimischen Mitbürger führen. Und dies ist, so unterstelle ich, auch von den Attentätern gewollt. Denn je mehr sie extremistische Kräfte innerhalb unserer Gesellschaft stärken, je mehr sie unsere Werte einer offenen Gesellschaft in Frage stellen, desto näher sind sie ihrem Ziel: Dem offenen Konflikt. Eine pluralistische Gesellschaft ist das Grauen jedes Extremisten, denn der Extremist will keine bunten Farben, er will klare schwarz-weiß-Strukturen in denen er einen klaren Feind hat, den es zu bekämpfen gilt (Der Extremist ist übrigens nicht gleichzusetzen mit dem politisch Radikalen, welcher sich noch im demokratischen Spektrum bewegt). Für die islamistischen Terroristen ist dieser Feind die westliche Demokratie, aber auch  für die Islamhasser ist dieser Feind klar: Es ist der Islam. Und zwar der Islam in jeder Form, sie differenzieren nicht zwischen privat gelebter Religion und politischem Islamismus.

Gerade diese Differenzierung tut aber Not, denn ein Großteil der Muslime weltweit sind keineswegs mit Extremisten wie dem IS oder anderen terroristischen Organisationen einverstanden, leiden sogar am Meisten unter diesen (Die meisten Opfer des IS beispielsweise sind Muslime). Dennoch sind es diese Extremisten, die vorgeben im Sinne des Islam zu handeln und die damit die große Masse an friedlichen Muslimen einfach vereinnahmen um ihren politischen Zielen zu nützen.

Mit anderen Worten: Sie wollen, dass wir ihren Fanatismus für gleichbedeutend mit dem Islam halten, auch weil sie selbst das glauben. Natürlich gäbe es ohne den Islam keinen Islamismus und keinen daraus resultierenden Terrorismus, Islam ist aber nur die notwendige, nicht die hinreichende Bedingung für den islamistischen Extremismus. Das heißt: Islam ist nicht zwingend extrem. Wenn wir den Extremisten aber die Deutungshoheit darüber erlauben, was Islam sei, dann haben sie gewonnen und gerade die Islamophoben Europas bestärken mit ihrer undifferenzierten Haltung diese Position. Die angeblichen Verteidiger des Abendlandes machen sich somit paradoxerweise sogar zum Erfüllungsgehilfen der Feinde Europas. Daher dürfen wir, die Verteidiger einer toleranten, freiheitlichen, pluralistischen und demokratischen Grundordnung diesen Extremisten nicht das Feld überlassen.

Wir dürfen denen nicht glauben, die uns mit Angst und Gewalt zwingen wollen einander zu hassen und zu fürchten. Denn der Hass, der Konflikt und der Umsturz sind ihr Ziel. Wir Alle, vor Allem aber die Medien, dürfen uns nicht einschüchtern lassen. Sobald die Pressefreiheit in Gefahr ist, ist die Demokratie in Gefahr. Wir dürfen keine Zensur zulassen, weder durch staatliche Stellen, noch religiöse Fanatiker noch im eigenen Kopf. Während die Einen mit Begriffen wie „Lügenpresse“ und Verschwörungstheorien zu deren angeblicher Gleichschaltung das Vertrauen in die Medien zu untergraben versuchen, versuchen Andere mit blanker Gewalt Macht auf diese auszuüben. Diesen Versuchen darf nicht nachgegeben werden. Denn wenn sich die Medien einschüchtern lassen, dann siegt der Terror. Und Terror ist keine religiöse Tat, keine Pflicht des gläubigen Muslims, sondern eine politische Tat. Politische Extremisten auf allen Seiten haben nur eines im Sinne: Uns ihren Diskurs und ihre Weltsicht aufzuzwingen. Sie wollen uns in einen Konflikt treiben durch den wir nur verlieren und sie nur gewinnen können!

Das Problem heißt also nicht Religion, das Problem heißt Extremismus. Und diesem gilt es geschlossen entgegen zu stehen! Lasst uns also genau das Gegenteil von dem tun, was diese Leute von uns erwarten: Lasst uns aufeinander zugehen anstatt im Anderen den Feind zu sehen. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und sagen: Wir haben keine Angst, wir glauben euch nicht, wir sind Atheisten, Christen, Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus und Andersgläubige, die gemeinsam in Frieden miteinander leben wollen. Wir werden eurem Terror nicht nachgeben! Wir werden nicht zum Instrument eures Hasses werden! Für eine solidarische und bunte Gesellschaft! Jetzt erst recht!

Kultur des Hasses – Hass der Kulturen?

by sebastianleist

Hass, Missgunst und Konflikte prägen die Menschheitsgeschichte schon Jahrtausende. Ob in verbaler oder in tatsächlich gewalttätiger Auseinandersetzung, immer wieder geraten Menschen, oder Gruppen von Menschen, über dieses oder jenes aneinander. Das daraus entstehende Leid ist oft so groß, dass die tatsächliche und zugrunde liegende Ursache der Fehde häufig nicht mehr bewusst ist, oder gar zur Nebensache wird. Es geht ab diesem Punkt nur noch um den Streit selbst und um die Behauptung gegen den Kontrahenten, der mit zunehmender Intensität mehr und mehr entmenschlicht, gar monströs erscheint und so auch die Hemmschwelle sinkt, das ihm angetane Leid noch weiter zu steigern. Dies gilt leider für die meisten, wenn nicht gar alle Konflikte unter Menschen die dieser Planet bisher gesehen hat.

Viele führen diese Tatsache auf eine dem Menschen von Natur aus innewohnende Eigenschaft zurück, die ihn mit den Tieren verbindet: Den radikal egoistischen Trieb zur Selbsterhaltung, der sich in rücksichtsloser Weise Geltung verschafft und dem nur die durch das Gesetz institutionalisierte Angst Einhalt zu gebieten imstande ist. Der Mensch sei dem Menschen ein Wolf, so heißt es. Dieser Eindruck mag sich scheinbar bestätigen, sieht man sich nur die allabendlichen Nachrichten an oder liest man in einem Geschichtsbuch. Kaum eine Zeit, in der sich nicht ständig die Leute den Schädel einschlagen, sich verbrennen, pfählen, köpfen, steinigen, mit Pfeil und Bogen, Kanone oder Maschinengewehr den Gar aus machen oder anderweitige, teils geniale Methoden ersinnen um sich gegenseitig umzubringen.

Doch ist dies tatsächlich die menschliche Natur? Rousseau beispielsweise ist radikal anderer Ansicht. Er zeichnet den Menschen im vorzivilisatorischen Zustand als friedlich, genügsam und ungesellig, das heißt: autark. Er kommt ohne die Institutionen der modernen Gesellschaft aus, ist ohne diese sogar weitaus zufriedener und viel seltener gewalttätig. Auch wenn er ohne den heutigen Luxus oder medizinische Versorgung existieren muss, so lebt er ein Leben im Einklang mit sich und der Natur. Diese Vorstellung vom natürlichen Menschen, oftmals fälschlich als „der edle Wilde“ bezeichnet (Rousseau selbst nennt diesen Ausdruck nirgends), erscheint uns heute als kitschige Träumerei, als bloßer Eskapismus aus der engen und vom Absolutismus geprägten Gesellschaft Frankreichs im 18. Jahrhundert. Sie ist aber mehr als das.

Die Vorstellung eines ewigen und schrecklichen Kriegszustandes, wie sich beispielsweise Thomas Hobbes den Naturzustand vorstellt, teilt zwar auch Rousseau, anders als Hobbes aber leitet er diesen Zustand des „Krieges aller gegen alle“ nicht aus der Natur, sondern aus der Gesellschaft ab. Und in einem wichtigen Punkt scheint er damit Recht zu haben: Kriege sind grundsätzlich Gesellschaftszustände und basieren, egal welcher Größe die beteiligten Gruppen sind, immer auf einem Freund-Feind (ingroup – outgroup) -Dualismus. Die eigene Gruppe gewinnt dabei ihre Stärke durch die Abgrenzung von den „Anderen“, den Fremden. Gerade in Zeiten des Konfliktes, und hier komme ich auf die momentane Situation (besonders in den Medien vertreten sind momentan die Ukraine und Gaza) zu sprechen, wird diese Abgrenzung und die daraus entstehende Einigkeit innerhalb der Gruppe besonders stark.

Es scheint mir nämlich, und ich bin mir sicher auch anderen, so zu sein, dass gerade in Diskussionen im Internet, allen voran auf Facebook, die sachliche und besonnene Diskussion über diese Konflikte kaum möglich ist. Dies liegt wohl einerseits am Medium selbst – man muss schließlich dem Gegenüber nicht in die Augen sehen, und das Phänomen des „Trollens“ ist allgegenwärtig – andererseits wohl auch an der überall verbreiteten, und im Informationszeitalter wichtiger und wichtiger werdenden Propaganda aller beteiligten Seiten. Sich in diesem Gewirr ein wirklich objektives Bild zu verschaffen wird immer schwieriger. Konkrete Phänomene die diese Verwirrung belegen sind die vielen, momentan wieder massiv auftauchenden Verschwörungstheorien wie sie beispielsweise auf den Montagsmahnwachen eine Heimat haben.

Besonders schlimm ist neben diesen Verwirrungen ein paar armer Irrer aber der gesähte Hass, der einem wieder und wieder entgegenschlägt. Es scheint so, als könne man Putin nicht kritisieren ohne gleich ein Propagandist der „faschistischen Nato-Junta“ zu sein und sich so manche wüste Beschimpfung anhören zu müssen. Genauso wenig kann man in Diskussionen über den Nahostkonflikt das Selbstverteidigungsrecht Israels anführen, ohne angeblich gleich auf der Seite von „Kindermördern“ und „Zionazis“ oder gar im Soldbuch des Mossad zu stehen. Ebenso beschweren sich allerdings auch Vertreter der Gegenseite. Jeder, der die westliche Einflussnahme auf die Krise in der Ukraine kritisiere, würde sofort als „Putinversteher“ und „rechter Verschwörungstheoretiker“ gebrandmarkt, genauso wie Menschen die sich über die humanitäre Situation in Gaza besorgt zeigen, sich gleich als Antisemiten dargestellt fühlen.

Es ist jedoch immer der Ton der die Musik macht! Die genannten Konflikte, zu denen ich mich jetzt nicht im Detail äußern möchte, scheinen eine objektive Positionierung sehr schwierig zu machen. Nicht nur aufgrund der komplexen und auch teilweise undurchsichtigen Sachlage, sondern vor allem auch aufgrund des Ingroup-Outgroup-Dualismus, nach dessen Logik man sich auf je eine der beiden Seiten zu stellen habe. Diese Position, hat man sich einmal entschieden, wird dann häufig vehement, lautstark (!!!!!!11111elf) und oft auch mit mehr Beleidigungen als Argumenten verteidigt. Dies gilt leider für so manchen Beteiligten, egal ob er/sie proisraelisch, proukrainisch, propalästinensisch oder prorussisch argumentiert. Will man also wirklich konstruktive und zielführende Diskussionen führen, so sollte man von radikalen Positionen und von dem Denken in den Kategorien Gut/Böse oder Freund/Feind absehen.

Dies scheint allerdings mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten, gerade in Zeiten des Internet. Man wird entweder zum „Antideutschen Zionisten“, zum „Putintroll“, zum „Ukra-Faschisten“ oder zum „Hamas-Propagandisten“ oder gleich zu einer Kombination mehrerer dieser Bezeichnungen erklärt, traut man sich, sich zu einem der Konfliktherde oder den beteiligten Parteien kritisch oder verteidigend zu äußern. Dabei wäre eine besonnene und herrschaftsfreie Form des Diskurses für alle direkt oder indirekt Beteiligten von weitaus größerem Nutzen, als es die momentane Spirale aus Wut und Hass ist, die sich in der öffentlichen Debatte aufzuschaukeln scheint. In dieser sollte das Hauptaugenmerk für jeden aufgeklärten Humanisten sein, dem Menschenhass entgegen- und für die Menschenrechte einzutreten. Antisemitismus darf in unserer Gesellschaft genausowenig geduldet werden wie der Hass auf Muslime, Russen, Ukrainer oder andere Ethnien, sowie die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung. Der Hass und Intoleranz darf, man könnte sage paradoxerweise, nicht toleriert werden, wenn wir nicht selbst zu einer Kultur des Hasses werden wollen in der verschiedene radikale Gruppen sich gegenseitig bekämpfen. Die Sabotage unserer pluralistischen Gesellschaft nämlich ist das Ziel eben dieser radikalen Gruppen.

Egal, welche Position man vertreten mag: Wer tatsächlich für den Frieden einstehen will muss sich auch zu einer friedlichen und sachlichen Diskussionskultur bekennen und sollte sich daher weder in radikale Positionen verrennen, noch darf er diese tolerieren. Dafür notwendig sind allerdings auch die Fähigkeit, sich differenziert mit einem Thema auseinander zu setzen und der Wille, dies auch zu tun. Denn einander hasserfüllte Parolen entgegen zu brüllen hat noch keinen Konflikt gelöst!

In diesem Sinne: Peace, Frieden, Shalom, pace, Salam, shanti, paix, baris!

© Sebastian Leist

Reflexionen an einem Sommertag

by sebastianleist

Ich sitze. Um mich herum Vögel und Wind und ein wenig Autobahn. Grün ist alles und zwitschert, während die Sonne das Weiß der wenigen Wolken bestrahlt. Blätter im Wind singen das Lied des Sommers. Kitschig, irgendwie. Trotzdem ehrlich. Schornsteine und Baukräne stören die Idylle. In der Ferne ragen sie über die Bäume und zeigen der Natur den Mittelfinger. Die LKW der nahen Schnellstraße atmen heftig und ihr Stöhnen klingt mitleiderregend im Vergleich zum freien Gesang der Vögel. Windräder schaufeln gemächlich die Energie aus der Luft. Neben den rauchenden Schloten stehen sie wie das halbherzige Bekenntnis zu einer besseren Zukunft. Ein merkwürdiges Nebeneinander: Natur und Technologie, Mensch und Welt. Stehen sie nebeneinander oder gegeneinander? Oder ist dieses Denken in Kategorien nicht bereits die Ursache jeglicher vermeintlicher Gegensätze. Wahrscheinlich schon, doch was tut das zur Sache? Fruchtlose Reflektion über Gott und die Welt. Nur: Die Welt existiert, da bin ich mir recht sicher. Wenn selbst nur als phänomenales Geschehen. Gott hingegen ist reine Abstraktion, ein Hirngespinst. Nicht Gott ist verantwortlich: Wir sind es, für uns selbst, für einander, für die Welt die wir erleben.

Die Natur ist ruhig. Nicht lautlos, nicht still. Ruhig aber in ihrem stetigen Wandel und selbst in ihren Geräuschen. Bedächtig und gleichmäßig. Die Menschen sind unruhig, nervös. Sie sind dem natürlichen Frieden entrissen, dem Paradies entflohen, nicht verbannt worden, nein geflohen in eine vermeintlich bessere Welt. Die Natur verlangt nichts von uns. Sie stellt die Regeln des Überlebens auf durch die Notwendigkeiten. Sie gibt uns Fähigkeiten, wir haben die Freiheit diese zu nutzen. Wie wir sie nutzen und die Folgen sind nur uns selbst anzulasten. Nicht einem toten Gott, nicht dem deterministischen Schicksal der physikalisch beschriebenen Welt. Nicht unausweichlichen Kausalketten. Uns, sowohl als Individuum als auch als Kollektiv, haben wir alles zuzuschreiben. Das Gute wie auch das Schlechte. Die Errungenschaften der Zivilisation, wie auch die Schäden und das Damoklesschwert der eigenen Vernichtung, welches in Silos und Bunkern, nicht am seidenen Faden, sondern hinter Stahlbeton sich geduldig im Warten übt.

Die Büchse der Pandora, welche dasselbe symbolisiert wie auch das Feuer Prometheus, sie ist geöffnet und ihr Inhalt jault nun über die Straßen, Himmel, Weltmeere und auch durch unsere Adern. Ihr Inhalt ergießt sich in Flüsse und Seen, sickert ins Grundwasser, entfleucht in die Atemluft, sammelt sich an in gewaltigen Strudeln, brennt in mächtigen unterirdischen Feuern, verwest in den Slums der großen Städte. Der Mensch musste immer schon kämpfen. Einst gegen Tiere, nun gegen sich selbst. Die Natur ist vom übermächtigen zum ebenbürtigen Gegner, und schließlich zum scheinbar Unterlegenen geworden. Welch eine Illusion! Die Hybris der Menschheit ist ihr wahrer Fluch. Gedanken, Jahrtausende alt, noch immer nicht angekommen. Doch wohin? Der Weg ist versperrt, das Zurück eine Utopie, eskapistische Fantasterei. Nur nach vorne geht es. Getrieben von den neuen Notwendigkeiten, die nicht mehr die Natur sondern wir selbst uns geschaffen haben.

Das Zwitschern der Vögel: Immer noch!

Plädoyer für Europa

by sebastianleist

Europa, gezeugt in der Antike, geboren im Mittelalter und langsam reif und erwachsen geworden im Zeitalter der Aufklärung und der Moderne, hat vieles hinter sich: Vom Zusammenbruch des römischen Imperiums über Jahrhunderte der Barbarei, über die Herrschaft Karls des Großen, die Zeiten der Kreuzzüge und des Kolonialismus, über unzählige weltliche oder religiöse Konflikte, den Absolutismus bis hin zur Befreiung von deren Unterdrückung im Lichte der Aufklärung, über die Industrialisierung und ihre Folgen, über die schrecklichen Jahre des ersten und des zweiten Weltkrieges, Europa war immer eines: Ein dynamisches und heterogenes Gebilde, ein Gemisch vieler Völker, eine Geschichte aus vielen Geschichten. Daher sind, auch wenn die Idee Europas vergleichsweise modern ist, die verschiedenen Geschichten und Kulturen Europas, trotz so mancher Verschiedenheit, seit Jahrtausenden miteinander verwoben.

Natürlich hat in dieser Geschichte auch das Christentum seinen Platz. Anfangs noch verfolgt und mit dem Tode bedroht, wurde die christliche Gemeinschaft zu einer gestaltenden Kraft, über die man bei der Betrachtung der Geschichte Europas nicht hinwegsehen kann. Einerseits eine Triebfeder für Bildung und Künste, Gemeinschaft stiftend und eine gewisse Identität begründend, andererseits ein Mittel der Repression und Machtausübung, war es doch unleugbar auch das christliche Denken, welches den Kontinent entscheidend prägte. Doch nicht nur dem Christentum haben wir einige Hinterlassenschaften, sowohl im positiven Sinne als auch im negativen, zu verdanken. Denn auch das Judentum und sogar der Islam haben einen nicht zu unterschätzenden Teil beigetragen. Ohne die Bedrohung, aber auch die Handelsbeziehungen und kulturellen Beeinflussungen aus dem Osten, ohne die Überlieferung vieler Texte aus dem arabischen Raum, die dem christlichen Abendland zuvor verloren gegangen waren, wäre Europa heute nicht was es ist.

Doch das heutige Europa beruht nicht alleine auf der Religion. Viel entscheidender für die Moderne und die heutigen Werte der Europäischen Gemeinschaft war das Zeitalter der Aufklärung. Die Befreiung des Menschen von der Willkürherrschaft des Klerus und der absolutistischen Herrscher und die Befreiung von der Unmündigkeit durch die Bildung und die Wissenschaften, ist die wahre Errungenschaft dieses Kontinents. Dass der Mensch frei und gleich geboren ist, dass keiner von Natur aus dem Anderen zu dienen hat und dass auch nicht der Glaube über die Menschen zu herrschen hat, ist ein Denken welches uns allen den Weg zu der Freiheit geebnet hat, in der wir heute leben. Denn die Denker der Aufklärung entdeckten unter Anderem ein Erbe der Antike wieder, welches über das Mittelalter geschlummert hatte: Den Gedanken der Demokratie. Auch wenn der Weg noch weit war und teilweise über blutige Revolutionen führte, über zwei Weltkriege, welche die Mitte Europas zu einem einzigen Schlachtfeld werden liessen: Letzten Endes setzte sich die Demokratie durch und die Erkenntnis, dass es den europäischen Völkern nur gelingen würde den Frieden zu sichern, wenn sie es gemeinsam taten.

Als Reaktion auf die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Grauen der Kriegsjahre, wurde 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in Paris abgefasst. Sie verkündete endgültig das Bekenntnis, dass der Mensch, wo auch immer er geboren werden mag, frei und gleich an Rechten auf die Welt kommt und nichts und niemand ihm diese unveräußerlichen Rechte nehmen kann. Dies ist meines Erachtens einer der Grundpfeiler unserer Wertegemeinschaft. Weder das Christentum noch Religion im Allgemeinen ist es, sondern die Idee der Freiheit und Gleichheit und des Wertes des menschlichen Lebens. Die meisten Europäischen Länder sind heute demokratisch regiert. Die europäische Union hat 28 Mitgliedsstaaten und über 1 Milliarde Einwohner. Diese Gemeinschaft hat es ermöglicht, Grenzen dauerhaft abzuschaffen, hat es ermöglicht einen gemeinschamen Handelsraum zu schaffen, der allen nutzt, vor allem aber uns Deutschen. Auch die Entscheidung hin zu einer gemeinsamen Währung, so kontrovers diese auch diskutiert werden mag, hat die Länder Europas nun auch wirtschaftlich zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammen geschweißt. Die Entwicklung hin zu mehr Gemeinschaft und weg vom Denken in Nationen und Völkern ist nicht nur von wirtschaftlichem Vorteil, sie ist auch Heilmittel gegen die Krankheit der Fremdenfeindlichkeit und der Unterdrückung von Minderheiten.

Der Weg zu einer Gemeinschaft, welche die Werte der Aufklärung und der Demokratie lebt, kann nicht im Rückfall zur nationalen Identität bestehen. Er muss, um dem Gedanken der Gleichheit gerecht zu werden, über eine Stärkung der demokratischen Strukturen Gesamteuropas führen.  Dies aber erfordert eine stärkere Identifizierung der Europäer mit den genannten Idealen. Nicht ohne Grund sind es gerade die Rechtspopulisten, welche sich als die großen Europaskeptiker hervortun. Denn ihnen ist die Idee der Gleichheit und Freiheit ein Dorn im Auge.

Natürlich ist nicht alles gut in Europa, Probleme gibt es genug. Jedoch sind diese nicht zu lösen, indem man Wahlen boykottiert oder sich lautstark auf irgendwelchen Mahnwachen gebärdet und gegen die europäischen Werte hetzt. Wer in der Demokratie etwas ändern will, muss einerseits wählen gehen und sich zudem auch anderweitig in den demokratischen Prozess einbringen. Denn wir alle haben es in der Hand, wie demokratisch dieses Europa in Zukunft sein wird.

Deshalb: Am Sonntag wählen gehen und Europa nicht seinen Feinden überlassen! Ein Europa der Rechtspopulisten ist in jedem Falle das Schlimmste zu dem es werden kann!

Querfront, Truther, Demagogen

by sebastianleist

Hirn für die Welt

Wer in den letzten Tagen auf Facebook war und außer süßen Katzenbabies oder lustigen Selfies anzuschauen auch informativere Seiten besucht hat, wird den Shitstorm und Spamangriff bemerkt haben, der beinahe jede publizistische Einheit betraf die man sich denken kann. Die Facebookseite der Taz, der Süddeutschen, der Tagesschau, des Deutschlandfunks und vieler, vieler anderer wurden mit häufig identischen Copy&Paste – Texten zugemüllt was es das Zeug hält. Tenor der wütenden und OFT IN CAPSLOCK VERFASSTEN Attacken war: Hört auf gegen Russland zu hetzen und der NATO zu helfen den dritten Weltkrieg anzufangen und berichtet lieber über die Friedensdemos an denen in den letzten Tagen in 21 deutschen Städten mehrere tausend Demonstranten teilgenommen haben.

So weit so gut. Wäre es nicht so dermaßen nervig gewesen und hätte ich nicht bereits vor mehr als einer Woche im Randbereich meiner Aufmerksamkeit eine Warnung der linken Jugend Magdeburg wahrgenommen, die sich auf diese Demonstrationen bezog, ich hätte dem wahrscheinlich nicht meine Zeit und Nerven geopfert. Da aber die Spamflut, die angeblich von der Aktivistengruppe Anonymous gestartet worden sein soll (inzwischen ist bekannt, dass die Seite von Rechten gekapert wurde), so massiv und omnipräsent war und ich – meiner angeborenen und anerzogenen Neugier folgend – gewisse Trends und gesellschaftliche Entwicklungen gerne im Auge behalte, habe ich mal das Orakel (google) befragt was es mit diesen Friedensdemonstrationen auf sich hat. Schnell und auch ohne Zuhilfenahme der sogenannten „gleichgeschalteten Massenmedien“ wie viele der Leute aus den Kreisen der Spammer sie nennen, zeigte sich mir ein klebriges Gemisch aus Russlandverteidigern (was eventuell in gewissem Grad noch zu verstehen wäre), Verschwörungstheoretikern (Chemtrails, Gehirnwäsche etc.) und einfach Antisemiten und Deutschtümlern, die es irgendwie geschafft hatten einen großen Teil wütender Bürger (wie groß der Teil wirklich ist, ist schwer zu sagen) zu motivieren. Dies unter dem Motto „Ob Links oder Rechts, egal, solange es mit Deutschland wieder aufwärts geht“.

Die Kommentare auf den entsprechenden Facebookseiten, sei es die Seite der Friedensdemo selbst, sei es auf der Seite ihres „Messias“ Ken Jebsen alias KenFM, sprechen eine andere Sprache. Offen wird gegen das Finanzjudentum (sic!) gehetzt, werden eher linke und sachlich vorgetragene Kommentare massiv angegriffen (links-faschistische Meinungsdiktatur) und auch der Holocaust geleugnet. All dies macht einen aber natürlich noch lange nicht rechts. Auch den Herren Jebsen nicht (der Name ist ein Pseudonym, sein iranischer Name kommt auch bestimmt nicht so gut an bei den Rechten), der ja total grundlos bei RBB seinen Arbeitsplatz verlor, nur weil er es wagte den Holocaust einen PR-Gag zu nennen. Genug der Ironie. Die Denkrichtung der Unterstützer ist eindeutig und kann einfach nicht geleugnet werden. Neben der Behauptung, die Medien seien alle von den USA kontrolliert und gleichgeschaltet, wird Putin als der einzige dargestellt der den Frieden wolle.  Wir erinnern uns: Putin, der lupenreine Demokrat der so beliebt ist, dass die Zustimmung der Wähler für ihn bei teilweise 140% gelegen haben soll, der offen homophob ist und auch dementsprechende Gesetze erlässt, in dessen Land kritische Journalisten erschossen werden. Klasse Typ, nicht? Aber klar: Ich bin ja auch gehirngewaschen von den Mainstreammedien.

Wahr ist: Die Revolution auf dem Maidan war durch den Westen unterstützt und leider auch von einigen Faschisten in der Ukraine mitgetragen. Außerdem gilt es noch so manches zu klären was die tödlichen Schüsse auf Demonstranten angeht und man kann über die politischen Fehler die im Vorfeld vom Westen begangen wurden durchaus kritisch sprechen. Auch die USA haben da natürlich ihre Rolle gespielt. Doch man muss auch deutlich sagen, dass die Eroberung der Krim und das anschließend stattgefundene Referendum nicht völkerrechtlich in Ordnung waren, das ist auch international Konsens. Und dass oftmals angeführt wird der Kosovo – Einsatz sei dies ebenfalls nicht gewesen, genauso wenig wie der Irakkrieg, macht die Sache dennoch nicht richtig. Zumal es zumindest im Kososvo um die Verhinderung eines Völkermords ging. „Die Massenmedien“ haben dies alles übrigens thematisiert. Wer lesen kann ist also im Vorteil. Aber ich schweife ab.
Was ich damit nur sagen will ist: Putin ist ein sehr schlechtes Vorbild, wenn man moralisch oder mit dem Völkerrecht oder den Menschenrechten argumentieren will und keinesfalls eine Friedenstaube. Und auch wenn die Fehler des Westens nicht verschwiegen werden sollten, zu behaupten der Westen betreibe einseitig Kriegstreiberei ist einfach maßlos überzogen.

Doch genau in diese Kerbe schlagen die selbsternannten Friedensaktivisten und „Truther“ immer und immer wieder und oft in sehr unfriedlicher Weise. Auch wird behauptet die Friedensdemos würden absichtlich vertuscht, Kameras seien außer Betrieb (eine Behauptung die nicht überprüft wird, sondern einfach unkritisch weiter verbreitet) und man habe ja keine andere Wahl als sich durch die beschriebene Spamflut überhaupt Gehör zu verschaffen. Und wenn sie dann entweder aufgrund von Beleidigungen oder gar Drohungen ihre Kommentare gelöscht bekommen, dann schreien sie laut „Zensur“, drohen bei Kritik auch gerne sofort mit dem Anwalt. Wer meinen Blogbeitrag über die neuen Rechten vor einigen Wochen gelesen hat kann mir gerne für mein Gespür gratulieren, denn die momentan stattfindende Kampagne zeigt deutlich, dass die Problematik noch viel tiefer zu gehen scheint als zuvor angenommen. Denn die Rechten haben es anscheinend geschafft, sich den Rückhalt von einigen Bürgern zu sichern die leider nicht mal merken wer sie da vor den Karren spannt. Nicht ohne Grund distanzieren sich beispielsweise Attac ausdrücklich.

Die sinnbildliche Karotte der Bewegung ist wie gesagt Ken Jebsen. Dieser bewegt sich im Dunstkreis weiterer Demagogen, die sich im Umfeld des Compact – Magazins und des Kopp – Verlags, sowie der Seite PI- News tummeln, die für ihre Verschwörungstheorien und rechtspopulistischen Beiträge, sowie homophobe Ergüsse bekannt sind. Dort werden zwischen unverfängliche und auf den ersten Blick harmlose oder unspektakuläre Berichte immer wieder hetzerische Beiträge eingestreut (bei PI nichtmal versteckt), die man ohne weiteres als rechts(extrem) und demokratiefeindlich bezeichnen kann. Auch der Initiator der Demos ist da keine Ausnahme, Lars Mährholz, der für alle Übel der Welt die Federal Reserve Bank verantwortlich macht, die natürlich gesteuert wird von? Richtig: Jüdischen Bankern. Gerade die Rubrik „wichtige links“ auf seiner Webseite zeigen deutlich wohin man den Herren einzuordnen hat.

Dass die Leute sich kritisch mit unserem Wirtschaftssystem, dem Kapitalismus und auch mit der Weltpolitik auseinandersetzen ist natürlich gut, aber das muss sachlich geschehen. Und vor allem auch selbstkritisch. Wenn der typische Jebsenianer auf Kritik immer mit dem Hinweis man solle „sich informieren und endlich selber denken“ antwortet, aber selbst nur nachschwätzt was einer erzählt, dessen Reden mich teilweise an das hier erinnern, dann muss ich leider sagen, dass da ein Widerspruch besteht zwischen der Forderung an die anderen und an sich selbst. Hört also bitte auf, diesen Querfront – Spinnern hinterherzulaufen und denkt selbst. Dann werdet ihr vielleicht merken, dass es eben diese Demagogen sind, die Deutschland schon einmal in einen Weltkrieg geführt haben. Und hier passt der Vergleich ausnahmsweise mal. Denn weder der Westen noch der Osten haben Interesse an einem dritten Weltkrieg. Interesse Angst zu schüren haben nur diejenigen, die dadurch etwas gewinnen und das sind eben die Rechten, die den Eindruck zu erwecken versuchen, Rechts und Links seien nur begriffe um das Volk gegeneinander auszuspielen. Tatsächlich aber untergraben sie das Vertrauen in die Gesellschaft und auch unsere Demokratie! Wer das Vertrauen in die Demokratie schwächt oder diese gar leugnet, bereitet den Weg für Extremisten und spielt mit den Feuer, oder besser gesagt: Ist ein Brandstifter!

In diesem Sinne: Aluhut runter und mal hinterfragen ob man wirklich weiß wen man da unterstützt!
Ihr seid doch alle Individuen.

Denkanfälle der Woche KW 15 2014

by janstraube

Herzlich Willkommen zu unserer wöchentlichen Linkschau, den Denkanfällen der Kalenderwoche 15! Dieses Mal mit Heartbleed und dem BSI, Visualisierung von Klimadaten, long-reads und Platos Dialogen.

Das Netzthema der Woche: Heartbleed. Aufgrund eines kleinen Fehlers in der Programmierung ist es Angreifern möglich, die verschlüsselte Kommunikation zwischen Server und Nutzer auszulesen. Hier ist das auf eine schöne Grafik heruntergebrochen. Was bedeutet das? Potenziell sind alle Passwörter bei betroffenen Diensten gefährdet – ein Angreifer muss nur zum „richtigen“ Zeitpunkt bei der Seite anklopfen, um sensible Daten zu bekommen. Es gibt mehrere Listen mit betroffenen Diensten, mehr oder minder umfangreich – am sichersten scheint es jedoch, sämtliche (ja, alle) Passwörter die ihr so habt zu ändern. Bekannt ist, dass Facebook, Google, eBay, Dropbox und viele andere Seiten betroffen waren. Vor allem bei kleineren Seiten ist der Rat allerdings unter Vorbehalt zu geniessen, da häufig wenig darüber bekannt ist ob der Seitenbetreiber den Fehler schon behoben hat. Hier gibt es einen Test. Jedenfalls ein guter Grund, einen Passwortmanager einzusetzen – habt Ihr vielleicht eine Empfehlung für einen solchen?

Ach, und da war ja noch was… Das BSI hat mal wieder einen Sicherheitstest gestartet, da erneut 18 Mio. Zugangsdaten kompromittiert wurden. Da Ihr ja aber schon wegen vorigem Absatz die Zugangsdaten geändert habt, braucht Ihr diesen Test gar nicht mehr zu machen 😉

Enigma.io haben sich die Zugänglichkeit öffentlicher Daten auf die Fahnen geschrieben. Sie sammeln Daten, verbinden sie und machen schöne Dinge daraus. Zum Beispiel diese Karte der Klimaanomalien in den Vereinigten Staaten der letzten 59 Jahre. Sieht nicht nur gut aus, sondern bestätigt auch die Thesen zum Klimawandel.

Wir bleiben beim Internet. Wisst Ihr noch, damals, als alle Welt behauptet hat, durch Chat, SMS und überhaupt dieses ganze Internet verkümmert unsere Kommunikation, dass wir nur noch in Smilies über Whatsapp kommunizieren werden und demzufolge auch keine langen Texte mehr lesen werden können? Nun ja, vielleicht ist das alles gar nicht so. Behauptet zumindest Steven Poole im Guardian. Ihmzufolge vermehren sich lange Artikel und Reportagen. Nur mit der gängigen Bezeichnung „long-read“ ist er unzufrieden.

Peter Sloterdijk behauptete, Philosophie sei wie ein Kettenbrief, der seit 2500 Jahren weiter geschrieben wird. Wie in einem Forenthread sollte man natürlich wissen, womit alles angefangen hat, damit man am Ende noch versteht, worum es eigentlich geht. Dies ist keine leichte Angelegenheit, weswegen die Klassiker immer wieder neu bearbeitet werden – so auch im Privaten, als Hilfestellung für Verwandte. Lobenswert, Herr Strippel!

Euch allen ein schönes Wochenende (und guten Start in die Vorlesungszeit, falls zutreffend)!